»Meine Spezialität ist
das Besondere.«

Juli Gudehus

im wahrsten Sinne des Zeichens

Ein Rie­sen-Puz­zle als Spiel mit Bedeu­tung, bestehend aus Sym­bo­len, Icons und Pik­to­gram­men – Hie­ro­gly­phen unse­rer Zeit, die uns von Ver­kehrs­zei­chen, Gerä­ten und Bild­schir­men ver­traut sind, zu sehen ab Novem­ber im Muse­um für Druck­kunst in Leip­zig.

Kern der Aus­stel­lung bil­det Juli Gude­hus’ Über­set­zung der bibli­schen Schöp­fungs­ge­schich­te in ein von ihr erfun­de­nes Bild­zei­chen-Espe­ran­to. Die Muse­ums­be­su­cher sind ein­ge­la­den, Juli Gude­hus’ »Gene­sis« als über­di­men­sio­na­les Bil­der­rät­sel zu lösen und an der Ent­ste­hung einer mög­li­chen Welt­spra­che aus Bild­zei­chen aktiv mitzuwirken.

Gott wür­felt nicht, heißt es. Aber die mit Spie­len ver­brach­te Zeit zähl­te oft zu den Stern­stun­den der Mensch­heit – und Puz­zeln macht Spaß! 

Zei­chen von Intel­li­genz in Leipzig

Myria­den von ­Bild­zeichen ent­schlüs­seln wir täg­lich. Wir tun dies meist eher halb­be­wusst und doch beacht­lich schnell. Juli Gude­hus war davon fas­zi­niert und frag­te sich: Las­sen sich mit meh­re­ren sol­cher visu­el­len Kurz­bot­schaf­ten wohl auch län­ge­re Tex­te trans­por­tie­ren? Dem Vor­bild der Ägyp­ter fol­gend, ent­wi­ckel­te sie 1992 ein eigen­stän­di­ges Bild­zei­chen-Espe­ran­to, mit dem sie an unse­re täg­li­chen Seh­ge­wohn­hei­ten anknüpft. 

Seit­her wuchs eine digi­ta­le Welt her­an. Immer mehr Bild-Schir­me gibt es und mit­hin eine unge­ahn­te Sint­flut von Bild-Zei­chen. Das brach­te wei­te­re Men­schen auf die Idee, damit Bild-Geschich­ten zu erzäh­len. So wur­de Juli Gude­hus’ »GENE­SIS« unver­se­hens »SUI GENE­RIS« – das heißt: ers­te einer eige­nen Art.

Par­al­lel zur Digi­ta­li­sie­rung erleb­ten wir seit­her eine Glo­ba­li­sie­rung unge­ahn­ten Aus­ma­ßes. Umso reiz­vol­ler und wün­schens­wer­ter erscheint die Vor­stel­lung, sich inter­na­tio­nal kom­pli­ka­ti­ons­arm ver­stän­di­gen zu kön­nen. Uni­ver­sell »les­bar« sind aller­dings die wenigs­ten Zei­chen, denn zu groß sind die Unter­schie­de der Kul­tu­ren und der indi­vi­du­el­len Lebens­welten. Bild-Geschich­ten gibt es den­noch seit Urzei­ten bis heu­te, trotz und wegen ihres gro­ßen Interpretationsspielraums.

Die Idee einer Welt­spra­che aus Bild­zei­chen bleibt also eben­so span­nend wie schwie­rig. Immer­hin gibt es für unend­lich vie­le Begrif­fe noch kein Zei­chen. Die­se Erfah­rung mach­te Juli Gude­hus, als sie jüngst für die Insze­nie­rung der »Zau­ber­flö­te« in der Oper Chem­nitz (läuft noch bis März 2020) diver­se Begrif­fe und Sät­ze in ihr Bil­d­zei­chen-Espe­ran­­to über­setz­te – dar­un­ter die des ers­ten Sat­zes der Men­­schen­­rechts-Char­­ta mit abs­trak­ten Begrif­fen wie »Ver­nunft« und »Wür­de«, für die es Pik­to­gram­me über­haupt erst zu ent­wer­fen galt.

Das Guten­­berg-Muse­um Mainz hat vor kur­zem Juli Gude­hus’ »Gene­sis« in sei­ne gra­phi­sche Samm­lung auf­ge­nom­men und wird sie zusam­men mit wei­te­ren »Bil­­der-Bibeln« bis Ende 2019 zeigen.

Das Muse­um für Gestal­tung in Zürich prä­sen­tier­te 2018 bereits eine klei­ne­re Ver­si­on des Puz­zles. Die kom­men­de Aus­stel­lung ist grö­ßer und the­ma­tisch brei­ter ange­legt. Das Muse­um für Druck­kunst in Leip­zig setzt zudem auf die Intel­li­genz, Spiel- und Expe­ri­men­tier­freu­de sei­ner Besu­che­rin­nen und Besu­cher: eige­ne Seh­erfah­run­gen und neue visu­el­le »Voka­beln« sind gefragt!

Stern­stun­den für zu Hause

Anläss­lich der zur Züri­cher Aus­stel­lung erschien das Geschenk­pa­pier-Pos­ter »made in hea­ven«. Zur Leip­zi­ger Aus­stel­lung erscheint das zur küh­nen Idee einer Welt­spra­che aus Bild­zei­chen pas­sen­de Pla­kat »DAS GROS­SE WAGEN«.